Buchrezension: B. Greiner u.a.: Heiße Kriege im Kalten Krieg

Die zeitgenössischen Debatten über Krieg und Frieden sind vielfach von Annahmen geprägt, die nicht weiter hinterfragt werden. Eine dieser Annahmen ist die Vorstellung des „Kalten Krieges“ als eine weltweite Konfrontation zwischen zwei monolithischen Blöcken, wobei die Kriege in der „Dritten Welt“ als „Stellvertreterkriege“ definiert werden. Diese dichotomische Aufteilung bietet etwa auch einen Ausgangspunkt der „Neue Kriege“-Debatte.

Der Sammelband „Heiße Kriege im Kalten Krieg“ stellt diese Annahme in Frage und versucht, sie auch mit Hilfe von Fallbeispielen zu überprüfen und andere Erklärungsmuster anzubieten. Zwei Ansätze werden betont: so zum einen, die Kriege in der „Dritten Welt“ primär als De- und Post-Kolonialkriege zu verstehen und zum anderen, sie aus der Perspektive der lokalen und regionalen Strukturen und Akteure zu sehen.

Neben bekannten Fällen, wie etwa den Kriegen in Korea und Vietnam, wird etwa die widersprüchliche und von regionalen Dynamiken bestimmte Rolle Ägyptens während des Kalten Krieges näher beleuchtet. Hier wird dargestellt, wie die ägyptische Staatsführung ihre strategischen Interessen zu verfolgen und dabei die Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion für sich nutzen versuchte. Dabei wird deutlich, dass von einer „one-way-dependency“ keine Rede sein kann.

Die Publikation ist für alle zu empfehlen, die sich für historische politische Konflikte, die auch für die heutigen politischen Strukturen prägend sind, interessieren.

Zwei Einschränkungen gibt es jedoch. Zum einen fehlt, für einen Tagungsband nicht untypisch, eine dezidierte Einführung und Zusammenfassung. Zum anderen findet sich bei einigen Autoren die argumentativ nicht nachvollziehbare These, dass neoliberale Wirtschaftsstrukturen die Lösung für die Probleme seien, die durch planwirtschaftliche Modelle geschaffen seien. Dies ist sehr fraglich. Jedenfalls haben die neoliberalen Maßnahmen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges für die jeweilige Bevölkerung selten mehr Wohlstand und soziale Sicherheit mit sich gebracht.

Bernd Greiner / Christian Th. Müller / Dierk Walter (Hg.): Heiße Kriege im Kalten Krieg. Hamburger Edition, Hamburg, 2006, 514 Seiten.

Ismail Küpeli

Eine kürzere Fassung dieser Buchrezension erschien in der analyse&kritik (Nr. 521 vom 19.10.2007).(PDF-Version)