Archiv für April 2015

Leben mit der Leugnung : Die Armenier_innen vor und nach dem Genozid

Der Genozid an den Armenier_innen im Osmanischen Reich jährt sich 2015 zum 100. Mal. Auch dieser Jahrestag wird davon bestimmt sein, dass der Genozid verschwiegen, relativiert, kleingeredet und geleugnet wird. Dies liegt weniger daran, dass die Faktenlage uneindeutig oder der Vernichtungswille der Täter nicht nachzuweisen wäre. Die wissenschaftliche Forschung ist zwar nicht abgeschlossen, aber an der Existenz des Genozids bestehen keine ernstzunehmenden Zweifel. Verschweigen und Leugnen des Genozids ist vielmehr explizite staatliche Politik der Türkei, dem De-facto-Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs.

Einer der verlässlichen Komplizen dieser Leugnungspolitik ist die deutsche Regierung, die bis heute den Begriff Genozid meidet und an der zentralen Gedenkveranstaltung am 24. April in Armenien nicht teilnehmen wird. Diese Komplizenschaft ist wenig überraschend, weil das Deutsche Reich mit in das Verbrechen des damaligen Verbündeten verwickelt war. Insofern ist das Vorgehen der deutschen Regierung nicht nur den guten Beziehungen zur Türkei geschuldet, sondern dient auch dazu, die deutsche Beteiligung an einem weiteren Genozid unter den Teppich zu kehren. […]

Weiterlesen in: analyse & kritik (Nr. 604, 21. April 2015)

„Die Demütigung der Opfer setzt sich fort“

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges soll es auf dem Boden des Osmanischen Reiches mindestens 1,3 Millionen Armenier gegeben haben. Wie viel es heute in der Republik Türkei sind, darüber gibt es von der Regierung in Ankara keine exakten Angaben. Schätzungen gehen von etwa 60 000 Personen aus, die sich zur armenischen Nationalität bekennen. Über ihre Situation in der heutigen Türkei sprach mit der Hamburger Historikerin und Turkologin Dr. Corry Guttstadt nd-Autor Ismail Küpeli.

nd: Der Völkermord löschte die armenische Bevölkerung im Gebiet der heutigen Türkei weitgehend aus. Gibt es noch eine lebendige armenische Gemeinschaft in der Türkei?

Heute gibt es schätzungsweise 60 000 Armenier in der Türkei, Tendenz fallend. Sie leben fast ausschließlich in Istanbul, wo es mehrere armenische Schulen, die beiden armenischen Tageszeitungen »Jamanak« und »Marmara« sowie die Wochenzeitung »AGOS« und etwa 30 armenische Kirchen gibt, wenn man dies als Gradmesser einer »lebendigen Gemeinschaft« ansehen möchte. Aber in Anatolien und insbesondere in dem ehemaligen armenischen Hauptsiedlungsgebiet in Ostanatolien leben so gut wie keine Armenier mehr. Das ist nicht allein eine Folge des Genozids.

Weiterlesen in: Neues Deutschland (24. April 2014)

Klimaaktivisten lernen aus alten Fehlern

Teilnehmer einer Kölner Konferenz suchten nach Wegen, die sich nicht in Appellen an Politiker erschöpfen

Tage des Redens, Tage des Handelns: Mit der Konferenz »Kampf ums Klima« in Köln machte sich die linke Klimabewegung Mut und sucht nach neuen Wegen einen Ausweg aus dem Klimadilemma zu finden.

Angesichts der gescheiterten Klimaverhandlungen, in denen sich die internationale Gemeinschaft nicht mal über die für das Überleben der Menschheit notwendigen minimalen Maßnahmen einigen kann, wäre es nicht überraschend, wenn Klimaaktivisten resigniert ihre anspruchsvollen Forderungen nach Klimagerechtigkeit einpacken und aufgeben. Von Resignation war aber bei der jetzigen Konferenz der linken Klimabewegung »Kampf ums Klima« in Köln wenig zu spüren. […]

Weiterlesen in: Neues Deutschland (15. April 2015)

Festnahmen nach tödlicher Geiselnahme in der Türkei

Todesumstände der Kidnapper und des Istanbuler Staatsanwalts noch ungeklärt / Polizei geht gegen DHKP-C vor

Nach der tödlich verlaufenen Geiselnahme an einem Staatsanwalt in Istanbul hat die Polizei mehrere Anhänger der DHKP-C festgenommen. Gleichzeitig wurde das Büro von Erdogans AKP gestürmt.

Weiterlesen: Neues Deutschland (2. April 2015)