„Die Demütigung der Opfer setzt sich fort“

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges soll es auf dem Boden des Osmanischen Reiches mindestens 1,3 Millionen Armenier gegeben haben. Wie viel es heute in der Republik Türkei sind, darüber gibt es von der Regierung in Ankara keine exakten Angaben. Schätzungen gehen von etwa 60 000 Personen aus, die sich zur armenischen Nationalität bekennen. Über ihre Situation in der heutigen Türkei sprach mit der Hamburger Historikerin und Turkologin Dr. Corry Guttstadt nd-Autor Ismail Küpeli.

nd: Der Völkermord löschte die armenische Bevölkerung im Gebiet der heutigen Türkei weitgehend aus. Gibt es noch eine lebendige armenische Gemeinschaft in der Türkei?

Heute gibt es schätzungsweise 60 000 Armenier in der Türkei, Tendenz fallend. Sie leben fast ausschließlich in Istanbul, wo es mehrere armenische Schulen, die beiden armenischen Tageszeitungen »Jamanak« und »Marmara« sowie die Wochenzeitung »AGOS« und etwa 30 armenische Kirchen gibt, wenn man dies als Gradmesser einer »lebendigen Gemeinschaft« ansehen möchte. Aber in Anatolien und insbesondere in dem ehemaligen armenischen Hauptsiedlungsgebiet in Ostanatolien leben so gut wie keine Armenier mehr. Das ist nicht allein eine Folge des Genozids.

Weiterlesen in: Neues Deutschland (24. April 2014)