Die Wiederkehr der »Freiheitsfalken«

Mit einem blutigen Anschlag in Ankara und Drohungen gegen ausländische Touristen sorgt eine militante kurdische Splittergruppe für eine Eskalation des Krieges in der Türkei.

Es war ein »Comeback« mit Ansage. Bereits am 23. Dezember verübten die »Freiheitsfalken Kurdistans« (TAK) einen Angriff mit Mörsergranaten auf den Sabiha-Gökcen-Flughafen in Istanbul. Bei diesen Anschlag wurden eine Arbeiterin getötet und fünf Flugzeuge beschädigt. Nun vor einer Woche der Anschlag auf einen Konvoi des türkischen Militärs in Ankara mit 28 Toten.

Die türkische Regierung machte schnell die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten für die Tat verantwortlich, die aber jegliche Beteiligung dementierten. Zwei Tage später bekannte sich die TAK zu dem Anschlag und gab Einzelheiten über den Attentäter bekannt. DNA-Tests haben inzwischen die Angaben der TAK bestätigt und die Regierungsdarstellung widerlegt.

Bis vor kurzem war die TAK außerhalb der Türkei nur einer Handvoll Experten ein Begriff. Schließlich hatte die Organisation seit 2011 jegliche Aktionen eingestellt, so dass viele von einer Auflösung der TAK ausgingen. Ohnehin ist wenig über die TAK bekannt, so existiert weder ein Gründungsdatum noch weiß man, wie groß diese Organisation ist. Die ersten öffentlichen Aktionen der TAK waren Anschläge im Sommer 2004 auf öffentlichen Plätzen und gegen Regierungsgebäude. Bald ging die TAK dazu über, Anschläge in den touristischen Gebieten der Türkei zu verüben, vor allem in den Jahren 2005/06. Danach wurden die Attacken weniger, dauerten aber bis 2011. Insgesamt wurden dabei mindestens 15 Menschen getötet. Eine genauere Bezifferung ist kaum möglich, weil es in diesen Jahren auch zu vielen Anschlägen kam, zu denen sich die TAK nicht bekannt hat, die aber nach einem ähnlichen Muster erfolgten.

Die TAK greift nach eigener Sussage den Tourismussektor an, weil sie einen dauerhaften Krieg zwischen der Türkei und den Kurden sieht und die Einnahmen aus dem Tourismus diesen Krieg mitfinanzieren würden. Ihr Verhältnis zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist nebulös: Einerseits bezieht sich die TAK positiv auf PKK-Anführer Abdullah Öcalan und nimmt für sich in Anspruch, für die kurdische Bevölkerung zu kämpfen. Anderseits kritisiert die TAK die PKK als zu moderat im Konflikt mit der Türkei.

Den sogenannten Friedensprozess mit der Regierung verurteilt die TAK als Versuch, den kurdischen Befreiungskampf zu lähmen und als langfristiges »Vernichtungsprogramm« gegen das kurdische Volk. Die TAK rief die PKK dazu auf, den bewaffneten Kampf wiederaufzunehmen. Während dieser Aufruf in den letzten Jahren, in denen verhandelt wurde, seitens der PKK kein Gehör gefunden hatte, ist die Situation jetzt anders. Die Regierung hat den Krieg neu entfacht und sorgt so dafür, dass militante Kräfte auf der kurdischen Seite wieder stärker werden – auf Kosten von allen, die immer noch für eine friedliche Lösung eintreten.

In: Neues Deutschland (24. Februar 2016)