Archiv für März 2018

WDR: Türkische Nationalisten in Meschede


Türkische Nationalisten in Meschede (WDR Aktuelle Stunde, 26. März 2018)

NDR: Der kurdisch-türkische Konflikt in Norddeutschland

37 Anschläge auf türkische Einrichtungen soll es nach Angaben des Bundesinnenministeriums in diesem Jahr gegeben haben – viele davon in Norddeutschland. Der Anstieg ist enorm: Im gesamten letzten Jahr waren es nur 13. Zieht der Krieg zwischen Türken und Kurden im nordsyrischen Afrin immer mehr Gewalttaten auch in Deutschland nach sich? […]

Wer die Anschläge tatsächlich begangen hat, ist indes trotz der Bekennerschreiben nicht geklärt. Der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli von der Universität Bochum weist darauf hin, dass die großen kurdischen Verbände sich mehrfach von allen Anschlägen und auch Aufrufen zu Gewalttaten distanziert haben: „All diese Taten führen natürlich zu einer massiven Welle der Empörung über die kurdische Bewegung. Und das kann eigentlich nicht im Sinne der Kunden selbst sein.“ Es sei nun an den deutschen Sicherheitsbehörden, die Täter zu ermitteln. […]

Der kurdisch-türkische Konflikt in Norddeutschland (NDR, 20. März 2018)

Videointerview: Völkerrechtsverletzung ohne Folgen

„Die wichtigsten Fragen zum Angriff auf die Kurdenenklave – Politikwissenschaftler Ismail Küpeli erklärt den Afrin-Krieg

Die Türkei versucht seit Jahren die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden überall im Nahen Osten zu bekämpfen, erst indirekt mit einer Grenzblockade, die für Armut und Unterversorgung in Rojava sorgt, nun mit einem offenen Krieg. Im Interview erklärt Politikwissenschaftler Ismail Küpeli, warum der Angriff auf Afrin nicht zufällig jetzt passiert. Im nächsten Jahr wird in der Türkei gewählt – Präsident Recep Tayyip Erdogan wolle mit dem Einmarsch noch mehr Rückhalt in der türkischen Bevölkerung mit Blick auf Neuwahlen im nächsten Jahr gewinnen, sagt Küpeli.

Währenddessen machten die Kurden eine alte Erfahrung: Sie erhalten keine Unterstützung der Großmächte angesichts des türkischen Angriffs. Aus kurdischer Sicht wiederhole sich damit das alte Trauma, fallen gelassen zu werden. Ihnen mache auch eine andere Erfahrung zu kämpfen: Das Projekt Rojava werde von allen Staaten in der Region bekämpft – es gibt keine Bündnispartner.

Küpeli beantwortet im Interview die wichtigsten aktuellen Fragen zum Konflikt. So sei der Krieg zwar völkerrechtswidrig und ein Angriffskrieg, aber derzeit habe dies keine Konsequenzen, weil NATO-Partner wie Deutschland dies einfach hinnehmen würden. Nach Ende des Krieges werde die Türkei in Afrin die Enklave nach ihren Vorstellungen ordnen – damit seien unter anderem die dort lebenden Minderheiten wie die Jesiden in Gefahr“

Videointerview: Völkerrechtsverletzung ohne Folgen (Neues Deutschland, 16. März 2018)

Kurdischer Protest in Deutschland – eine Einordnung

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Die „Kurdenfrage“ im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Input im Rahmen des Workshops „Türkeiforschung im deutschsprachigen Raum V: Umbrüche – Krisen – Widerstände“
(16. und 17. März 2018, Universität Hamburg, Asien-Afrika-Institut)

Die „Kurdenfrage“ im Spiegel der türkischen Geschichtsschreibung

Der hegemoniale Diskurs der türkischen Geschichtsschreibung, wie sie sowohl in den geschichts-und sozialwissenschaftlichen Fakultäten der Hochschulen als auch von den staatlichen Wissensproduzenten hergestellt wird, entwirft spezifische Erzählungen über die Türkische Republik und ihre jeweiligen GegnerInnen. Eine dieser Erzählungen, nämlich das Narrativ über die Kurden als eine rebellische und feindliche Bevölkerungsgruppe entstand bereits vor der Gründung der Republik und ist bis heute relevant.

In einem ersten Schritt wird dieser hegemoniale Diskurs analysiert. Dabei werden die einzelnen Diskursfragmente (in Anlehnung an Siegfried Jäger) erfasst und ihre Verbindungen untereinander beschrieben. Anders gesagt: Wie hängt beispielsweise die Beschreibung der Kurden als rebellisch und barbarisch mit der Legitimierung der staatlichen Gewaltpolitiken gegen die Kurden zusammen? Dabei werden auch die Kontinuitäten und Brüche im Diskurs über die Zeit hinweg skizziert. Welche Rede herrschte in der Zeit der kurdischen Aufstände der 1920er und 1930er Jahre und wie wurde in akademischen Schriften der 2000er Jahre darüber gesprochen?

In einem zweiten Schritt werden subalterne und marginalisierte Gegendiskurse ausgemacht. Dabei werden zwei Akteursgruppen differenziert. Zum einen wären diejenigen Stimmen zu nennen, die sich selbst als kurdisch definieren und mit dem expliziten politischen Ziel antreten, den negativen Fremdzuschreibungen mit einer eigenen positiven Erzählung entgegenzutreten. Zum anderen wären diejenigen AkteurInnen erwähnenswert, die sich innerhalb der türkischen akademischen Diskursräume aufhalten, aber trotzdem eine andere Erzählung über die Türkische Republik und die Kurden gewählt haben.

Zum Schluss wird aus einer normativ gesetzten Positionierung heraus gefragt, welche Diskurse, Erzählungen und Narrative im Sinne eines nachhaltigen Friedens und einer adäquaten Aufarbeitung der türkischen Geschichte von der Gründung der Republik bis heute wirken – und welche Diskurse, Erzählungen und Narrative eher dafür sorgen werden, dass der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung nicht überwunden werden kann.

Afrin: Augenzeuge Social Media

In den sozialen Medien kursieren Bilder und Videos von den Kämpfen im syrischen Afrin. Und sie unterscheiden sich stark von dem, was im türkischem Fernsehen gezeigt wird

Afrin: Augenzeuge Social Media (ZDF heute plus, 15. März 2018)

Der Krieg in Afrin

Politikwissenschaftler Ismail Küpeli zu der aktuellen Lage in Rojava und den völkerrechtswidrigen Krieg der Türkei gegen die Kurden in Syrien.

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NDR: Anschlagserie auf türkische Geschäfte

„Unbekannte haben einen Brandanschlag auf ein türkisches Geschäft in Garbsen verübt – nur einer von mehreren Angriffen. Die Polizei geht von politisch motivierten Taten aus“

Anschlagserie auf türkische Geschäfte (NDR Aktuell, 13. März 2018)

Afrin in Trümmern

Große Teile des kurdisch-syrischen Afrin sind inzwischen von der türkischen Armee erobert worden. Afrin-Stadt ist bis auf einen schmalen Korridor gänzlich umschlossen. Konnten die Verteidiger*innen der Stadt den Angriff bislang aufhalten oder zumindest verlangsamen, scheint nun ein Sieg der türkischen Armee mit katastrophalen Folgen für die Bevölkerung in Afrin möglich zu sein.

Seit dem 20. Januar 2018 greift die türkische Armee mit ihren syrisch-arabischen Verbündeten das kurdische Afrin in der Autonomieregion Rojava an und zerstört damit eine der letzten relativ friedlichen Regionen in Syrien. In den ersten Kriegswochen schien es so, als habe die türkische Regierung, wie so oft, die eigenen militärischen Fähigkeiten überschätzt und die syrisch-kurdischen Verteidiger*innen von Afrin unterschätzt. Die türkische Armee schaffte es, trotz massiver Artillerie- und Luftangriffe, nur wenige Dörfer entlang der türkisch-syrischen Grenze zu erobern und erlitt hohe Verluste. […]

Afrin in Trümmern (Rosa-Luxemburg-Stiftung, 13. März 2018)

VICE: „Moschee-Brände: Radikale Kurden rufen zu Anschlägen in ganz Europa auf“

Türkische Medien haben den Aufruf bereits aufgegriffen und interpretieren ihn als Mobilisierung der kurdischen Terrororganisation PKK in Deutschland. Der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli bezweifelt allerdings, dass die PKK hinter diesem Aufruf steht. „Das sind radikalisierte kurdische Jugendliche – weder die PKK noch andere kurdische Organisationen können die kontrollieren“, erklärt er gegenüber VICE. „Die organisierten Kräfte versuchen eher, solche Dinge zu unterbinden – weil sie wissen, dass das öffentliche Ansehen der Kurden in Deutschland davon abhängt, dass sowas nicht passiert.“ Tatsächlich hatten ähnliche Aktionen in den 90ern, als kurdische Aktivisten zum Beispiel in großem Stil deutsche Autobahnen blockierten, dem Ansehen des kurdischen Freiheitskampfes nachhaltig geschadet. […]

„Moschee-Brände: Radikale Kurden rufen zu Anschlägen in ganz Europa auf“ (VICE, 12. März 2018)