Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Offener Krieg gegen Rojava

Zuerst «grünes Licht» aus dem Kreml, dann «grünes Licht» aus dem Weißen Haus: Das «Go» zur Zerstörung Rojavas

Die türkische Regierung setzte am 9. Oktober 2019 ein Vorhaben um, das seit Jahren angekündigt, geplant und in der Türkei öffentlich debattiert wurde: Den Großangriff auf Rojava/Nordsyrien. Bereits zum Entstehungszeitpunkt des pluralistischen, multiethnischen und multireligiösen politischen Projekts im Jahr 2013 aus den Wirren des syrischen Bürgerkriegs machte die Türkei klar, dass sie die Existenz von Rojava nicht akzeptieren wird. Über viele Jahre versuchte die AKP-Regierung durch eine vollständige Grenzblockade, mit der Rojava gewissermaßen ökonomisch «ausgehungert» werden sollte, und durch die Unterstützung der dschihadistischen Milizen in Nordsyrien, das Projekt in die Knie zu zwingen. […]

Weiterlesen: Offener Krieg gegen Rojava (Rosa-Luxemburg-Stiftung, 10. Oktober 2019)

Kein Achill, kein Hektor, keine Helden

Ein Monolog über die Folgen deutscher Waffenexporte und die Rolle von Moral und Verantwortung

Der folgende Bühnentext von Ismail Küpeli ist im Rahmen von «Ich, Europa. Europa in 11 Texten» entstanden. Die Uraufführung fand am 13. Oktober 2018 am Schauspiel Dortmund statt. Der Monolog beschäftigt sich mit den Folgen deutscher Waffenexporte und fragt danach, welche Rolle Moral und Verantwortung für politisches Handeln spielt und spielen sollte. Thematisiert wird auch die staatliche Gewaltpolitik in der Türkei gegen die kurdische Bevölkerung.

https://www.rosalux.de/fileadmin/images/Dossiers/Tuerkei/IchEuropaB%C3%BChnenbild.jpgIch, Europa, feierte am 9. November 1989, als die Grenzmauer fiel, die Deutschland und Europa für 28 Jahre gespalten hatte. Viele Menschen starben bei dem Versuch, sie zu überwinden und viele Waffen wurden aufgefahren, um die Mauer und die Spaltung Europas aufrechtzuerhalten. Nun konnte ich endlich auf echten Frieden hoffen und nicht nur darauf, dass die Waffenträger*innen auf beiden Seiten aus Angst vor der gegenseitigen völligen Zerstörung zögerten, ihre Waffen einzusetzen.

Es war eine naive Hoffnung. Weder die Waffen verschwanden, nur weil der Systemfeind verschwunden war, noch kam es zu einem Frieden in Europa, ganz im Gegenteil. In Jugoslawien folgte auf den Kalten Krieg ein brutaler Bürgerkrieg und all die Waffen, die für einen Krieg mit äußeren Feinden produziert und gehortet worden waren, wurden nun gegen Nachbarn und Arbeitskolleg*innen eingesetzt. Jahrelang wurden Menschen niedergemetzelt, gefoltert und vertrieben, bis ein kalter Frieden durchgesetzt war. […]

Weiterlesen: Kein Achill, kein Hektor, keine Helden (Rosa-Luxemburg-Stiftung, 19. September 2019)

Kein Platz für linke Bürgermeister in der «neuen Türkei»

In der Türkei geht die Repression gegen die linke Partei HDP weiter

Wie bereits von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan vor den Kommunalwahlen am 31. März dieses Jahres angekündigt, wurden nun, am 19. August, die Oberbürgermeister*innen der linken HDP in Amed (Diyarbakır), Mêrdîn (Mardin) und Wan (Van) abgesetzt und durch staatliche Verwalter ersetzt. Die Polizei unterband gewaltsam die Proteste gegen diese Maßnahme. Die AKP-Regierung rechtfertigt die Absetzung der Oberbürgermeister*innen mit vagen Terrorismus-Vorwürfen. Konkrete Indizien oder gar Beweise dafür liegen bisher nicht vor. In der regierungsnahen Presse sind verschiedene Verdächtigungen zu lesen, die aber allesamt nicht belegt werden. […]

Dies sollte nicht dazu verleiten, die Probleme der AKP-Regierung zu überzeichnen und die Schwierigkeiten einer gemeinsamen Oppositionsbewegung kleinzureden. Ebenso sollte nicht vergessen werden, dass die Türkei nach wie vor eine Autokratie ist, in der demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien kaum mehr Geltung haben. Allerdings geben die sichtbar gewordenen Risse innerhalb der AKP und die neue Positionierung der CHP gegenüber der HDP Anlass für einen vorsichtigen Optimismus.

Weiterlesen: Kein Platz für linke Bürgermeister in der «neuen Türkei» (Rosa-Luxemburg-Stiftung, 23. August 2019)

Kein Bruch mit den hegemonialen Geschichtsnarrativen


Kein Bruch mit den hegemonialen Geschichtsnarrativen. In: Freie Assoziation – Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie 2/2018: Wolfsgeheule, S. 88-90.

 

Beitrag im Sammelband „Die Türkei am Scheideweg“

Das Sammelband „Die Türkei am Scheideweg“, herausgeben von der Solidaritätskampagne #FreeMaxZirngast, ist jetzt mit einem Beitrag von mir („Die Türkei gehört den Türken“) erschienen:

„Die Türkei befindet sich auf einem Weg in eine ungewisse Zukunft: Freude und massenhafte Kreativität von Gezi 2013, der Aufschwung der Frauenbewegung und Aufstieg der pro-kurdischen linken HDP stehen permanentem Krieg, Militärputsch, Präsidialdiktatur und ausufernder Repression des Regimes gegen alles Oppositionelle gegenüber. Max Zirngast, gebürtiger Österreicher, Journalist, Student und sozialistischer Aktivist, ist aus Interesse in das Land gezogen, hat sich dessen Sprachen und kulturelle Besonderheiten angeeignet. Aus diesem Blickwinkel heraus hat er zahlreiche politische Artikel zur Türkei, zu den USA, zu Europa und zu Kunst und Kultur auf Englisch, Deutsch und Türkisch verfasst. Wie so viele oppositionelle und kritische Menschen sitzt er nun seit dem 11. September 2018 in Ankara im Gefängnis. Ihm wird die „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ vorgeworfen. Dieser Band versammelt seine Artikel und liefert Hintergründe zu den Umständen seiner Inhaftierung.“

Solidaritätskampagne #FreeMaxZirngast (Hg.) (2019): Die Türkei am Scheideweg und weitere Schriften von Max Zirngast. edition assemblage, Münster.

Streitbar #3: Linker Populismus – Chancen und Gefahren linker Sammelbewegungen

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„Ausnahmsweise gab es bei unserer dritten Streitbar weniger Streit und mehr Harmonie auf dem Podium als sonst. Denn darin, dass „linker Populismus“ problematisch ist, waren sich Ismail Küpeli, Norma Tiedemann und Sebastian Winter einig. Kontrovers war die Diskussion über Chancen und Gefahren linker Sammelbewegungen trotzdem.

Sebastian Winter wies darauf hin, dass Populismus sozialpsychologisch vor allem über die affekthafte Konstruktion von „Wir“ gegen „die Eliten“ funktioniert. Norma Tiedemann argumentierte, dass die Benennung von konkreten Herrschaftsverhältnissen deshalb noch lange nicht problematisch sein muss. Dem Populismus, der Chantal Mouffe verschwebt, setzte sie das Konzept einer Mobilisierung zur Selbstorganisierung entgegen. Ismail Küpeli machte den Begriff der Solidarität stark und verwies darauf, dass dieses nicht im Widerspruch dazu steht, innerlinke Konfliktverhältnisse z.B. über Rassismus oder Geschlechterverhältnisse auszutragen.“

Wie und Warum wird die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Linken abgewehrt?

Bildungsstätte Anne Frank: „Wie und Warum wird die Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Linken abgewehrt? Das erklärt Ismail Küpeli im Interview zu unserer Sonderausstellung „Das Gegenteil von Gut“: „Viele Linke haben ein Selbstverständnis davon, was ‚Linkssein‘ bedeutet, nämlich dass es quasi ein ‚Ticket‘ sei, ein ‚Freifahrtschein‘ für viele Bereiche. Also wer links ist, kann natürlich kein Rassist sein, ist natürlich kein Judenfeind, ist natürlich kein Sexist und vieles mehr.“

https://www.youtube.com/watch?v=jhQrL96vWmE

Kurze Geschichte der Türkischen Republik: Durch Vernichtung und Vertreibung zum ethnisch homogenen Nationalstaat

Der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung ist einer der entscheidenden Faktoren, die die Geschichte und Gegenwart der Türkei bestimmen. Die politischen Debatten und Entscheidungen in vielen sehr unterschiedlichen Bereichen von der Bildungspolitik bis hin zur Außenpolitik lassen sich auf die sogenannte „Kurdenfrage“ zurückführen. Darüber hinaus ist der Konflikt für die geschichtliche Entwicklung und die aktuelle Lage des gesamten Nahen und Mittleren Ostens bedeutend. Dies nicht zuletzt dadurch, dass kurdische Bevölkerungsgruppen in vielen Staaten existieren und in vielen Staaten politisch relevante AkteurInnen hervorgebracht haben.

Die Geschichte des Konflikts zwischen der Türkei und der kurdischen Bevölkerung muss aufgearbeitet werden, um die gegenwärtigen Konflikte zu verstehen. Bisher konzentrierte sich die politische und wissenschaftliche Beschäftigung mit dem „Kurdenkonflikt“ auf die Gegenwart. Da eine historische Perspektive fehlt, bleiben die Verbindungen zwischen der staatlichen Homogenisierungspolitik der Türkei und den kurdischen Aufständen in den 1920er und 1930er Jahren vielfach unterbelichtet. Unbeachtet sind so die möglichen Auswirkungen dieser Entwicklung für die gegenwärtige politische Lage.

Die Etablierung eines türkischen Nationalstaats, einschließlich der Schaffung einer türkischen Nation ging einher mit der Vernichtung, Vertreibung und Marginalisierung von nicht-muslimischen und nicht-türkischen Bevölkerungsgruppen. Die Kurden waren als die letzte große nicht-türkische Gruppe in der Türkei das Haupthindernis für das kemalistische Staatsprojekt einer homogenen türkischen Nation. Zuvor waren die christlichen Bevölkerungsgruppen als nicht-türkisch deklariert worden der Vernichtung und Vertreibung ausgesetzt. Der Genozid an den Armeniern 1915 und die Vertreibung der übrig gebliebenen christlichen Bevölkerung im sogenannten „Türkischen Befreiungskrieg“ (1919-1923) sind zentrale Säulen dieser Gewaltpolitik. Die Kurden dagegen sollten als eigenständige Bevölkerungsgruppe aufgelöst und in die türkische Nation assimiliert werden. Dagegen wuchs Widerstand seitens der Kurden und in den kurdischen Gebieten im Osten der Türkei kam es immer wieder zur Aufständen, Militäroffensiven und Vertreibungen.

Vortragsrundreise:

Kurze Geschichte der Türkischen Republik: Durch Vernichtung und Vertreibung zum ethnisch homogenen Nationalstaat : 23. November 2017, Duisburg.

Input über Geschichtsschreibung und Erinnerung in der Türkei bei der Konferenz „Academic Freedom and Politics“: 8.-9. Dezember 2017, Universität München

Präsentation im Rahmen des Workshops „Türkeiforschung im deutschsprachigen Raum V. Umbrüche – Krisen – Widerstände“: 16.-17. März 2018, Universität Hamburg

Kurze Geschichte der Türkei – Vernichtung und Vertreibung als Teil einer Homogenisierungspolitik: 26. April 2018, Universität Leipzig

Kurze Geschichte der Türkischen Republik: Durch Vernichtung und Vertreibung zum ethnisch homogenen Nationalstaat: 27. April 2018, Technische Universität Dresden

Input über „die kurdischen Aufstände in der Türkei der 1920er und 1930er Jahre“ im Rahmen des Doktorand_innenseminars der Rosa-Luxemburg-Stiftung: 24.-25. Mai 2018, Berlin

Input über „die kurdischen Aufstände in der Türkei der 1920er und 1930er Jahre“ im Rahmen des Stipendiant_innenseminars der Rosa-Luxemburg-Stiftung: 27. Oktober 2018, Wuppertal

Vortrag über „Das Erbe von 1923: der türkische Nationalstaat damals und heute“ im Rahmen der Fachtagung „Die „neue“ Türkei und ihre Herausforderer“: 19. Januar 2019, Köln

Input über „die kurdischen Aufstände in der Türkei der 1920er und 1930er Jahre“ im Rahmen des Forschungs- und Examenskolloquiums zur interdisziplinären Gewalt- und Genozidforschung des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung (Ruhr-Universität Bochum): 8. Juli 2019, Bochum

Konzept der Vortragsrundreise: Der Politikwissenschaftler und Historiker Ismail Küpeli skizziert die bis heute nicht aufgearbeitete und in der Türkei selbst tabuisierte Geschichte der gewaltsamen Schaffung der Türkei und macht die Verbindungen zu den heutigen Konflikten deutlich. (PDF)

Anfragen bitte an: Ismail.Kuepeli@ruhr-uni-bochum.de

konkret (5/2019): Krise und Kommunalwahlen in der Türkei

 

Krise und Kommunalwahlen in der Türkei (konkret 5/2019, S. 3)

Radio Freies Sender Kombinat Hamburg (FSK): Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei

Im Studiogespräch mit Ismail Küpeli wird besonders die herrschaftsstabilisierende Rolle der Kriege des Regimes herausgearbeitet. (Im Rahmen der Speakerstour zur Publikation: „Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei“).

Kampf um Rojava, Kampf um die Türkei (FSK, 17. April 2019)