Archiv der Kategorie 'Artikel & Aufsätze'

Kurdische Städte erneut unter Belagerung

Großeinsatz von Armee und Polizei in südöstlicher Provinz Sirnak / Kriegsähnliche Zustände

Die türkische Armee hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass in den Städten Cizre und Silopi über 20 Kämpfer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) getötet worden seien. Die Nachrichtenagentur Anadolu nennt die Zahl 25. Kurdische Quellen sprechen dagegen von getöteten Zivilisten und von Angriffen der Armee auf die Bevölkerung. Zuverlässige Berichterstattung ist seit langem nicht mehr möglich.

Weiterlesen: Neues Deutschland (18. Dezember 2015)

Türkischer Nationalismus in Deutschland: Gemeinschaft und Identität im Migrationskontext

Die politischen Konflikte in der Türkei spiegeln sich auch in Spannungen zwischen türkeistämmigen Migranten in Deutschland. Nationalistische und rechtsextreme Organisationen wie die „Grauen Wölfe“ bieten gerade für Jugendliche Identitäts- und Gemeinschaftsangebote, die sich auf eine mythisch überhöhte Geschichte des „Türkentums“ berufen. In seinem Artikel gibt Ismail Küpeli einen Überblick über türkisch-nationalistische Organisationen in Deutschland und fasst deren ideologischen Besonderheiten zusammen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Rechte und rechtsextreme türkisch-nationalistische Strömungen und Organisationen sind in Deutschland keine Neuheit. Seit Jahrzehnten sind türkische Nationalisten und Rechte auch in Teilen der türkeistämmigen Bevölkerung aktiv – und dies weitgehend ungestört. Ein Grund für das mangelnde Interesse ist der oft nicht-öffentliche Charakter ihrer Aktivitäten. Statt auf Demonstrationen und Kundgebungen konzentrieren sich diese Organisationen weitgehend auf interne Vereins- und Stadtteilarbeit. Dabei gelingt es türkischen Rechtsextremisten immer wieder, sich dem jeweiligen Feld anzupassen. Gegenüber einem türkischsprachigen Publikum werden die eigenen Inhalten offen propagiert, im öffentlichen Erscheinungsbild und in deutschsprachigen Verlautbarungen legen sie dagegen Wert, den Anschein eines „ganz normalen“ Moscheevereins zu wahren, dessen vereinsinterne Arbeit und Aktivitäten im Stadtteil keinerlei politischem Anspruch folgen. Ohne Kenntnisse der entsprechenden Netzwerke, Organisationen, Symbole und Codes fällt es schwer, rechtsextreme türkische Akteure und deren Aktivitäten zu erkennen und einzuordnen.

Weiterlesen: ufuq.de: Türkischer Nationalismus in Deutschland: Gemeinschaft und Identität im Migrationskontext (19. November 2015)

Erpressung lohnt sich

In der Türkei hat die Regierungspartei AKP bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit erreicht

Die Oppositionszeitung Cumhuriyet titelte am Tag nach der Wahl »Die Angst siegt« und fasst damit die überraschenden Ergebnisse recht gut zusammen. Denn die türkischen Parlamentswahlen vom Sonntag waren ein großer Erfolg für die Regierungspartei AKP, die mit 49 Prozent der Stimmen alle Erwartungen übertroffen hat. Sie verfügt nun über mehr als 312 Sitze im Parlament und hat eine komfortable Mehrheit für eine nur von ihr gestützte Regierung. Damit hat die AKP es geschafft, die Verluste bei den Wahlen vom 7. Juni, als sie nur rund 40 Prozent der Stimmen erhielt und die Regierungsmehrheit verlor, wieder gutzumachen.

Weiterlesen in: Jungle World (5. November 2015)

„Die Lage im Land ist angespannt“

Gönül Eğlence ist Politikerin der Grünen in Essen und Ansprechpartnerin für Frauenpolitik, Kultur und Teilhabe. Sie war unmittelbar vor dem Anschlag in Ankara mit anderen Politikern der Grünen in der Türkei zu Besuch, vor allem an Orten mit syrischen und irakischen Flüchtlingen. Nach dem Anschlag reiste sie nach Ankara. Mit ihr sprach die Jungle World über die derzeitige Lage in der Türkei und die Beziehungen der Landes zur Europäischen Union.

Weiterlesen in: Jungle World (22. Oktober 2015)

EU und die Türkei: Aktionsplan gegen Flüchtlinge

Wenn am Sonntag die Staats- und Regierungschefs der EU den türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu in Brüssel empfangen, wird es zwar im Wesentlichen um Flüchtlinge gehen, nicht aber um ihre Interessen. Längst nicht mehr der Schutz der Menschen, die vor Krieg und Armut fliehen, steht im Mittelpunkt, sondern, wie die EU die Türkei dazu bringen kann, als Vorposten der Festung Europa zu fungieren und die Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern.

Weiterlesen in: Neues Deutschland (28. November 2015)

Erdogans Griff um die Türkei wird fester

Die türkischen Parlamentswahlen waren ein großer Erfolg für die Regierungspartei AKP, die über 312 Sitze im Parlament erobern konnte und so eine komfortable Mehrheit für eine alleinige Regierung besitzt. Mit 49 Prozent erreicht die islamisch-konservative Partei wieder das Niveau ihrer Stimmenanteile der Wahlen von 2011. Am 7. Juni hatte sie nur rund 40 Prozent erhalten und damit die Regierungsmehrheit verloren. […]

Weiterlesen in: Neues Deutschland (2. November 2015)

Von Wölfen, Herden und Heimat

Ausgelöst durch den Krieg in der Türkei häufen sich in den vergangenen Wochen die öffentlichen Auftritte von türkischen Nationalisten in Deutschland. Ihre Basisarbeit findet hauptsächlich in Moscheevereinen und Kulturclubs statt.

[…] Unklar ist auch, ob die vermeintlichen Grauen Wölfe bei der türkisch-nationalistischen Demonstrationen in Deutschland nicht in Wirklichkeit »Grüne Wölfe« der Osmanlı Ocakları sind. Jedenfalls müssen die Aktivitäten dieser Organisation beobachtet werden.

Weiterlesen: Jungle World, 24. September 2015

Anschlag gegen den Frieden

Diyarbakir, Suruc, Ankara – die Liste von Anschlägen gegen friedliche und demokratische Kräfte in der Türkei wird länger

Über 85 Tote und über 185 Verletzte – das ist die blutige Bilanz des Anschlags in Ankara gegen eine Friedensdemonstration linker Organisationen und Gewerkschaften. Noch ist nicht bekannt, wer hinter der Tat steckt. Dagegen ist recht offensichtlich, welche Wirkung der Terror entfalten soll: eine weitere Eskalation im gegenwärtigen Bürgerkrieg in der Türkei.

Weiterlesen: Neues Deutschland, 10. Oktober 2015

Interview: „In der Türkei herrscht Krieg“

Murat Timur, Vorsitzender der türkischen Anwaltskammer in der Stadt Van, über das Vorgehen des Erdogan-Regimes, das Leid unter der Zivilbevölkerung und mediale Verharmlosung

In Deutschland hört man nur noch wenig vom Krieg in der Türkei. Hat sich die Lage wieder beruhigt?

Nein, davon kann überhaupt nicht gesprochen werden. Ganz im Gegenteil. Die Lage hat sich eher verschlimmert. Inzwischen hat sich der Krieg auch auf die Städte ausgeweitet, wie etwa Cizre. Dort verursachen die Kämpfe besonders viel Leid unter der Zivilbevölkerung, weil die türkischen Sicherheitskräfte völlig unangemessen und ohne Rücksicht auf »Kollateralschäden« vorgehen. Die Menschen können nicht einmal ihre Toten begraben, weil sie Angst vor Scharfschützen haben müssen.

Weiterlesen: Neues Deutschland, 26. September 2015

„Die Demütigung der Opfer setzt sich fort“

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges soll es auf dem Boden des Osmanischen Reiches mindestens 1,3 Millionen Armenier gegeben haben. Wie viel es heute in der Republik Türkei sind, darüber gibt es von der Regierung in Ankara keine exakten Angaben. Schätzungen gehen von etwa 60 000 Personen aus, die sich zur armenischen Nationalität bekennen. Über ihre Situation in der heutigen Türkei sprach mit der Hamburger Historikerin und Turkologin Dr. Corry Guttstadt nd-Autor Ismail Küpeli.

nd: Der Völkermord löschte die armenische Bevölkerung im Gebiet der heutigen Türkei weitgehend aus. Gibt es noch eine lebendige armenische Gemeinschaft in der Türkei?

Heute gibt es schätzungsweise 60 000 Armenier in der Türkei, Tendenz fallend. Sie leben fast ausschließlich in Istanbul, wo es mehrere armenische Schulen, die beiden armenischen Tageszeitungen »Jamanak« und »Marmara« sowie die Wochenzeitung »AGOS« und etwa 30 armenische Kirchen gibt, wenn man dies als Gradmesser einer »lebendigen Gemeinschaft« ansehen möchte. Aber in Anatolien und insbesondere in dem ehemaligen armenischen Hauptsiedlungsgebiet in Ostanatolien leben so gut wie keine Armenier mehr. Das ist nicht allein eine Folge des Genozids.

Weiterlesen in: Neues Deutschland (24. April 2014)