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Neues Deutschland-Videointerview: Krieg in der Türkei

Im Osten der Türkei herrscht Krieg. Mit allen Mitteln geht die türkische Regierung dort gegen kurdische Gruppen und die Zivilbevölkerung vor. Doch der Westen, insbesondere Deutschland, scheint sich dafür kaum zu interessieren, sagt der Journalist Ismail Küpeli.

Grund seien die Geflüchteten, die über die Türkei ihren Weg nach Europa suchen. Es werde versucht, das Regime in Ankara als eine Art »Türsteher« vor den Toren Europas zu installieren, so der Politikwissenschaftler. Doch nicht nur die Kurden leiden unter dem autoritären Präsidenten Erdogan, auch die sozialen Bewegungen und die Medien haben mit der starken Repression zu kämpfen. Wie die Lage in der Türkei momentan aussieht, darüber haben wir mit Ismail Küpeli, Politikwissenschaftler und Journalist, gesprochen.

Krieg in der Türkei: Ein Gespräch mit dem Journalisten Ismail Küpeli

»Schlägertrupps, Prozesse, Zensur«

Sendika.Org-Redakteur Ali Ergin Demirhan über die Repression des Erdogan-Regimes gegen kritische Medien, tödliche Angriffe auf Journalisten und Gegenöffentlichkeit an der Seite der Bevölkerung

In deutschen Medien wird über die Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei berichtet. Wie ist die Lage der unabhängigen und kritischen Medien?

Ali Ergin Demirhan: Unabhängigen Medien sind, jenseits der Zeitung »Cumhuriyet« und ein paar kleinerer Fernsehsender, hauptsächlich im linken Spektrum zu finden. Größere Medienhäuser, die es gewagt haben, die Regierung zu kritisieren, wurden mit verschiedenen Mitteln eingeschüchtert oder sogar – wie etwa bei den Gülen-nahen Medien – gleich beschlagnahmt. Kritisch und unabhängig sind derzeit die kurdischen Medien, ein paar linke Zeitungen, Online-Nachrichtenportale und andere Formen von Gegenöffentlichkeit.

Weiterlesen: Neues Deutschland (30. Januar 2016)

Interview: „Ein unglaublich barbarischer Krieg“

Alp Kayserilioglu über die Lage im Südosten der Türkei, die Bedingungen für kritische Journalisten und die kurdischen Kräfte

Du bist mit anderen Journalisten in den Kriegsgebieten im Südosten der Türkei unterwegs. Was habt ihr genau vor?

Wir haben uns als »Lower class magazine« (LCM) dazu entschieden, in diese Kriegsregion zu reisen und vom Staatsterror gegen die kurdische Bevölkerung und die Ausmaße des Krieges in der Südosttürkei und in Nordkurdistan zu berichten. Wir waren und sind nach wie vor der Meinung, dass die Berichterstattung zu der hier ausufernden Gewalt und Barbarei desolat ist und die desaströsen Bedingungen hier nicht widerspiegelt. Uns haben sich einige freie Journalisten angeschlossen, die aus demselben Interesse in die Region reisen wollten. Wir liefern seit unserer Ankunft regelmäßig Reportagen und Berichte aus unterschiedlichen Teilen der Region.

Weiterlesen: Neues Deutschland (22. Januar 2016)

ZDF heuteplus: Menschen werden weiterhin fliehen

„Viele Flüchtlinge aus Syrien kommen über die Türkei nach Europa. Zusätzlich werden weitere kommen: Kurden aus dem Osten der Türkei, sagt Politikwissenschaftler Ismail Küpeli“
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ZDF heuteplus (22. Januar 2016)
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/1427676#/beitrag/video/2653642/%E2%80%9EMenschen-werden-weiterhin-fliehen%E2%80%9C

Interview mit : „Die Mächtigen aber schweigen“

Professor Gazi Çaglar über den Krieg der türkischen Regierung gegen die Kurden, den Appell der »Akademiker für den Frieden« und ein tatenloses Europa

»Ein NATO-Land bekämpft seine eigene Bevölkerung mit NATO-Panzern und europäischen Waffen und Europa schweigt«: Für Professor Gazi Çaglar ein »klassischer Fall politischer Doppelmoral und Heuchelei.« Ein Gespräch über den Krieg in der Türkei.

Der Krieg in den kurdischen Gebieten der Türkei dauert bereits über sieben Monate. Wie ist die Stimmung in der Öffentlichkeit und bei der Bevölkerung?

Über die Stimmung in der Bevölkerung etwas Zutreffendes auszusagen, wird immer schwerer. Die enorme Zensur, die Gleichschaltung der Medien, die Diffamierung und Verhaftung von Journalisten und die fast vollständige Unterdrückung kritischer Stimmen erzeugt eine Atmosphäre der Angst. Kleinste Kundgebungen und Demonstrationen auf den Straßen und an den Universitäten der Türkei werden in Polizeieinsätzen niedergeknüppelt. In den kurdischen Gebieten werden ganze Kleinstädte und Stadtteile verwüstet, die Zahl der getöteten Zivilisten steigt in einem brutalen Krieg täglich.

Weiterlesen: Neues Deutschland (16. Januar 2016)

Anschlag in Istanbul: Wenige Erkenntnisse und viele Gerüchte

Nach dem Anschlag in Istanbul mit zehn getöteten deutschen Touristen wird die Spurensuche fortgesetzt. Die türkische Regierung spricht weiter von einer Täterschaft des Islamischen Staates.

Weiterlesen: Neues Deutschland (14. Januar 2016)

Todesschwadronen kehren zurück

Erbarmungsloser Feldzug der türkischen Armee eskaliert den Konflikt weiter

Seit der Krieg in den kurdischen Städten der Türkei angekommen ist, gibt es Meldungen über Todesschwadronen an der Seite der türkischen Armee. Es häufen sich die Hinrichtungen von Zivilisten.

Bereits im September kursierten die ersten Meldungen darüber, dass bei den Militäroffensiven auf kurdische Städte in der Südosttürkei wie beispielsweise Cizre nicht nur reguläre Soldaten und Polizisten eingesetzt wurden, sondern auch andere, paramilitärische, Kräfte. Einige kurdische Quellen meldeten sogar, dass IS-Kämpfer an der Seite der türkischen Armee an den Angriffen teilnehmen würden. Auch wenn dies unwahrscheinlich ist, gibt es durchaus Aufnahmen von einzelnen Sondereinheiten der Armee und Polizei, die man eher von Dschihadisten oder den berüchtigtsten Todesschwadronen der 90er Jahre erwarten würde.

Weiterlesen: Neues Deutschland (12. Januar 2016)

Mindestens zehn Touristen sterben bei Anschlag in Istanbul

Mindestens neun Bundesbürger unter den Opfern / Politiker reagieren entsetzt – aber auch Kritik an Erdogan-Regime / Ankara verhängt Nachrichtensperre

Der Anschlag in Sultanahmet zielt auf die TouristInnen, die Istanbul besuchen. Laut einigen türkischen Medien ging die Bombe in der Nähe einer deutschen Reisegruppe hoch. Demnach seien 9 der 10 Toten deutsche TouristInnen. Auch unter den Verletzten werden Ausländer vermeldet. Obwohl bisher nicht bekannt ist, wer für den Anschlag verantwortlich ist, ist die Wirkung recht offensichtlich. Der für die Türkei ökonomisch wichtige Tourismussektor soll mit diesem Anschlag getroffen werden.

Weiterlesen: Neues Deutschland (12. Januar 2016)

Türkische Polizei tötet fast ein Dutzend Kurden durch Kopfschuss

Mindestens 12 Opfer bei Polizeirazzia im osttürkischen Van / HDP-Vertreter sprechen von Massenhinrichtungen

Inzwischen häufen sich Meldungen über Hinrichtungen seitens der türkischen Armee und Polizei. Nach der Tötung von vier KurdInnen in Silopi am Dienstag wurden am Sonntag in Van zwölf junge KurdInnen von der Polizei erschossen.

Während der Krieg in der Türkei in Deutschland medial kaum noch vorkommt und andere Meldungen die Berichterstattung dominieren, geht das Sterben im Osten der Türkei unvermindert weiter. Immer mehr drängt sich der Eindruck auf, dass die zivilen Opfer nicht bloße »Kollateralschäden« eines Krieges zwischen der Türkei und der PKK sind. Die türkischen Sicherheitskräfte gehen zunehmend mit tödlicher Gewalt gegen alle Kräfte vor, die im Verdacht stehen, mit der PKK zu sympathisieren und schrecken inzwischen offensichtlich auch nicht mehr vor völkerrechtswidrigen Hinrichtungen von Zivilisten zurück. Allein letzte Woche wurden mindestens 15 Menschen auf diese Weise getötet.

Weiterlesen: Neues Deutschland (10. Januar 2016)

Veranstaltungen: Der Krieg gegen die Kurden in der Türkei

Aus aktuellem Anlass biete ich 2016 Vorträge über den Krieg gegen die Kurden in der Türkei an. Anfragen an: Ismail.Kuepeli@ruhr-uni-bochum.de

Ankündigungstext:

„Der Krieg in der Türkei dauert schon über 5 Monate. Die Ausgangssperren und Belagerungen von kurdischen Städten im Osten der Türkei haben sich
inzwischen zu einem Dauerzustand entwickelt. In einigen dieser Städte, wie etwa Cizre, Silopi und Nusaybin, finden immer wieder Militäroffensiven statt. Während dieser Ausgangssperren und Militäroffensiven in den Städten wurden über 140 kurdische Zivilisten getötet, unzählige Menschen verletzt und ganze Straßenzüge zerstört. 2016 dürften die Kämpfe noch zunehmen, weil inzwischen auch auf kurdischer Seite die Stimmen für den militanten und militärischen Weg lauter werden. Die EU hat sich eindeutig auf die Seite der türkischen Regierung gestellt – und damit gegen eine demokratische und friedliche Lösung des Konfliktes.
Ismail Küpeli berichtet über die aktuelle Situation und beleuchtet die Hintergründe. Er ist Politikwissenschaftler und Journalist mit Schwerpunkt Türkei, Naher und Mittlerer Osten.“

4. Februar 2016 (19 Uhr), Bahnhof Langendreer (Bochum) / 10. Februar (18:00), Hochschule für Bildende Künste (Raum 141), Dresden / 3. März, Wuppertal / 14. März, Münster / 6. April 2016, Tübingen / 13. April, Bremen